Main stair at the entrance of the library

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Geschichte



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Mazarin

Büste des Kardinal Mazarin, hergestellt von Lerambert um 1664-1669

    Die Privatbibliothek des Kardinal Mazarin (1602-1661) wurde 1643 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist somit die älteste öffentliche Bibliothek Frankreichs.

    Unter der Leitung des gelernten Arztes Gabriel Naudé (1600-1653), dem Autor der ersten Abhandlung über die moderne Bibliothekswissenschaft, Advis pour dresser une bibliothèque, wurde der Bestand beträchtlich vergrößert. Naudé machte aus der Bibliothek die wichtigste Privatbibliothek Europas, die um 1652 bereits knapp 40 000 Bände umfasste. Um ihren dauerhaften Fortbestand zu gewährleisten, entschied Mazarin, sie dem Collège des Quatre-Nations anzugliedern, dessen Gründung er noch kurz vor seinem Tod anordnete. Das Collège diente zur Ausbildung sechzig junger Menschen aus den vier verschiedenen Provinzen, die während der Amtszeit Mazarins als Premierminister dem Reich angegliedert wurden.

    Der Bau des Collège in Paris am Rande des Quartier Latin und direkt gegenüber dem Louvre dauerte zwanzig Jahre (1662-1682). Die Bibliothek sollte im linken Flügel untergebracht werden. Die Holzverkleidung von Mazarins früherer Bibliothek in seinem Pariser Hotel wurde in der neuen Galerie angebracht. 1689 wurde die Bibliothek wiedereröffnet und auch während der Französischen Revolution konnte sie - trotz der Auflösung des Collège - ihre Arbeit fortführen. Aufgrund ihres öffentlichen Charakters und vor allem dank ihres engagierten Bibliothekars Abbé Gaspard Michel, genannt Leblond, vergrößerte sich die Sammlung der Bibliothèque Mazarine um Werke, die während der Revolution konfisziert wurden. Seither wurde ihr reicher Bestand durch Neuerwerbungen, Pflichtexemplare und wichtige Schenkungen kontinuierlich erweitert.

     Die Bibliothèque Mazarine untersteht seit 1945 dem Institut de France, das seit 1805 in den Räumen des ehemaligen Collège des Quatre-Nations untergebracht ist, und ist eine der Bibliotheken der großen literarischen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die dem französischen Bildungsministerium unterstehen. Ihr Lesesaal, der zwischen 1968 und 1974 sorgfältig restauriert wurde, lässt die einzigartige Ausstattung einer großen Bibliothek des siebzehnten Jahrhunderts fortbestehen. Die Bibliothek ist heute, mehr als dreihundertfünfzig Jahre nach ihrer Gründung, immer noch ein Ort des Studiums und der Forschung, zugänglich für alle Interessierten, ganz gleich ob Neugierige und Gelehrte, aus Frankreich oder aus anderen Staaten der Welt.


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